Neubau-Quartier Postareal in Böblingen mit markantem Hochpunkt

Da werden die Böblinger in einiger Zeit öfter himmelwärts schauen, denn 60 Meter sind kein Pappenstiel. So groß wird der „Hochpunkt“, der in der Stadt schon in aller Munde ist: 20 Stockwerke misst der Turm, der auf dem Zeichenbrett entstand und bis 2027 der Stadt in Baden-Württemberg ein besonderes Denkmal setzt. Der Turm ist mit Abstand der höchste und prägendste Teil der Bebauung des ehemaligen Postareals, das die Stadt nun auf den Weg bringt. Darauf kann sie stolz sein, denn die Bebauung des „Postareals Böblingen“ ist eines von 14 Projekten, das mit der Internationalen Bauausstellung (IBA) in der Metropolregion Stuttgart Wirklichkeit wird.

BBG-Areale in Böblingen. Bild: Böblinger Baugesellschaft

Eines der drei größten Bauprojekte in der Stadt

Auf einer Grundstückgröße von 0,6 Hektar entsteht, gleich gegenüber vom Bahnhof, ein neues Quartier. Die Sieger des Offenen Internationalen Wettbewerbs stehen seit Mai 21 fest. Und damit nimmt das Projekt immer mehr Gestalt an. Neben dem „Hochpunkt“ entstehen zwei weitere Gebäude mit neuen und transparenten Verbindungen untereinander, fokussiert auf eine offene und bürgerfreundliche Gesamtgestaltung. Katrin Lebherz, Pressesprecherin der Böblinger Baugesellschaft, die das Projekt realisiert, betont im Gespräch mit neubau kompass: „Das Postareal ist eines der drei größten Bauprojekte in der Stadt.“

Visualisierung: Gutiérrez – De la Fuento Arquitectos und UTA Architekten und Stadtplaner

Ein neues Entrée mit Wäldchen und Wasserspielen

Die drei Gebäude arrangieren sich um das Stadtfoyer mit zahlreichen Grünflächen und Wasserspielen, das wie ein Innenhof gestaltet ist. Ein kleines Wäldchen ist, von Seiten der Bahnhofstraße aus, ein grüner Zugang ins neue Quartier. Mit dem gerade erst fertiggestellten neuen Gewerbe- und Wohngebiet „Flugfeld“ reiht sich das IBA-Projekt nun als weiterer innovativer städtebaulicher Akzent in das Aussehen der Stadt Böblingen ein – und schafft ein neues Entrée mit neuen Möglichkeiten gar nicht so weit vom historischen Zentrum entfernt.

Ein Muss: 60 Prozent Wohnanteil mit vielseitigen Wohnungstypen

 Viele Architekten haben sich beworben, den 1. Preis erhielt ein schwäbisch-spanisches Team: Da der Jury die Gestaltungsvorschläge von Gutiérrez – De la Fuente Arquitectos (Madrid) mit UTA Architekten und Stadtplaner (Stuttgart) am besten gefiel, bekamen sie nach mehrstündiger Beratung den Zuschlag. Der offene internationale Wettbewerb hatte eine Vorgabe, die es bei den Planungen zu bedenken gab: 60 Prozent Wohnanteil. 50 Architekturbüros beteiligten sich, fünf kamen in die engere Auswahl. Logisch also, dass ein Stadtteil geplant wurde, der neben dem Wohnen auch das Arbeiten und Leben in eine gute Form bringen soll.

Einer der Vorteile der schwäbisch-spanischen Planer ist die Vielseitigkeit der Wohnungstypen, wobei in der Hauptsache Mietwohnungen, weniger Eigentumswohnungen im Konzept stehen. So soll es ein neues Zuhause für so viele verschiedene Bedürfnisse geben: Wohnungen für Singles, für Senioren, Familien, Studenten sowie Menschen, die von Berufs wegen pendeln müssen – beispielsweise nach Stuttgart, das ja so weit nicht entfernt liegt.

Visualisierung: Gutiérrez – De la Fuento Arquitectos und UTA Architekten und Stadtplaner

Zu der breiten Auswahl an Wohnungen sollen auch die sogenannten Cluster-Wohnungen gehören: Einheiten mit viel Wohnfläche, die aufgeteilt ist in mehrere abgeschlossene Zimmer mit einem Bad und oft auch mit einer kleinen Teeküche. Eine Wohnküche und andere Räume werden dabei gemeinsam genutzt. Eine Wohngemeinschaft also mit viel Privatsphäre, da sich der Mieter in seine eigenen vier Wände zurückziehen kann – mit weniger eigener Wohnfläche, aber auch bei Teilung der Miete.

Mix aus Wohnen und Gewerbe

Verbleiben Räume für das, was man gewerbliche Nutzung nennt. „Der Stadt Böblingen wird ein Nutzungskonzept im Dezember vorgestellt“, so Katrin Lebherz. Weder für den „Hochpunkt“ noch für die beiden „kleineren Gebäude“, die das neue Trio bilden, steht deshalb zum jetzigen Zeitpunkt fest, welche Gewerbearten dort einziehen werden und wie sich der Mix aus Wohnen und anderen Nutzungen gestalten wird.

Wichtig sind und bleiben die Böblinger Bürger, denn der IBA27 war es von Anfang an wichtig, die Wünsche der Stadtbewohner in das Konzept zu integrieren. Katrin Lebherz: „Die Bürgerbeteiligung ist ein wesentliches Element und wird es auch in Zukunft bleiben.“

Wünsche der Bürger – Räume für die Bürger

Eine Kunst- oder Musikschule, eine Markthalle, eine Galerie, Vereinsdomizile: All das ist wichtig in einer Stadt mit einer Größenordnung von rund 50 000 Einwohnern. So bekommt Böblingen, was den Böblingern bei ihrer starken Bürgerbeteiligung wichtig ist: Räume, die gemeinsam genutzt werden können und die ein Treffpunkt im neuen Quartier sind. Bis zur Eröffnung der Internationalen Bauausstellung 2027 ist also noch Zeit, um den Bürgern Raum für eigene Gedanken zu geben – und die Stadt entscheidet, wie gemeinschaftliche Räume künftig genutzt werden können.

Böblingen, Gelände Postareal, BBG (Böblinger Baugesellschaft mbH) Fotograf: Günter E. Bergmann – Photography Aufnahmedatum: 12.11.2019

Abriss der alten Post für 2023 geplant

Derzeit ist die Böblinger Post noch in dem bestehenden L-förmigen Gebäude untergebracht. Nach Beendigung des Mietvertrages sollen 2023 die Abrissarbeiten starten, um Neues pünktlich zum Start der IBA zu schaffen. Das Konzept des Architekten-Teams hat dabei die Idee entwickelt, einerseits die neuen Gebäude mit Holzfassaden zu versehen, andererseits aber auch eine relativ innovative Idee zu realisieren: Der Beton des bestehenden Gebäudes könnte, in recycelter Form, Baumaterial der neuen Gebäude werden. Auch Bauelemente des jetzigen Postgebäudes könnten, vereinfacht gesagt, ausgebaut werden und neue Verwendung finden. „Diese Ideen gibt es, technische Details bleiben da noch zu klären“, so Lebherz.

So schreiben die Gewinner-Architekten UTA auf ihrer Webseite: „Wir freuen uns über den Gewinn des international offenen Wettbewerbs der IBA 27 zur Neubebauung des Postareals am Bahnhof in Böblingen mit Gutiérrez – De la Fuente Arcquitectos.“ Und sie betonen in ihrer Firmenphilosophie: „Uns eint das Interesse und die Leidenschaft für Architektur und Stadt.“ Das werden die Böblinger von den Stuttgartern gerne hören. Denn fügt sich Neues harmonisch in Altes ein, ist eines der wichtigen Ziele erreicht: das Wohl-Wollen, Wohn-Wollen und Engagement und Zufriedenheit der Böblinger.

Neubauprojekt „Champignystraße 2“ in Stuttgart-Vaihingen

Währenddessen entstehen weitere interessante Neubauprojekte mit Eigentumswohnungen im nicht weit entfernten Stuttgart. Zum Beispiel der Neubau „Champignystraße 2“ des Anbieters „Markt & Service“.

Finden Sie weitere Neubauvorhaben in Stuttgart auf dem neubau kompass

Titelbild: Gutiérrez – De la Fuento Arquitectos und UTA Architekten und Stadtplaner

Text: Andrea Hunkemöller